Artenvielfalts-Erhebung: Stiftswald Altenburg im Mittleren Kamptal ist Biodiversitäts-Hot Spot
Die Naturwälder im Mittleren Kamptal sind von großer Naturnähe und beherbergen eine in Österreich einzigartige Dichte an seltenen und streng geschützten Arten. Dies belegt die Erhebung naturschutzfachlicher Grundlagen für einen "interdisziplinären Waldmanagementplan zum Schutz europaweit bedeutender Lebensraumtypen und Tierarten in den Wäldern des Benediktinerstiftes Altenburg im Europaschutzgebiet ‚Kamp- und Kremstal’" durch das Umweltbüro Coop Natura und Kollegen.
Die Erhebung offenbart eine österreichweit herausragende Ausstattung der Stiftswälder von Altenburg mit seltenen, bedrohten und teils streng geschützten Arten. Das Vorkommen dieser Tiere ist ein Indikator für die außerordentliche Naturnähe der Wälder. Die Untersuchungen erbrachten u.a. bedeutende Vorkommen von vier Käferarten des Anhangs II der FFH-Richtlinie (Hirschkäfer / Lucanus cervus, Eremit / Osmoderma eremita, Scharlachkäfer /Cucujus cinnaberinus und Alpenbock / Rosalia alpina), sowie einen außergewöhnlichen Reichtum an Vogelarten: 25-40 % der bekannten Bestände ausgewählter Brutvogelarten des Anhangs I der Vogelschutzrichtlinie kommen hier vor. Dazu zählen Halsbandschnäpper mit 150-163 Revieren, Mittelspecht mit 37- 40 Revieren, Uhu mit 11 Revieren sowie Weißrückenspecht oder Ziegenmelker.
Zudem konnten die Fachleute 20-22 Fledermausarten nachweisen, darunter fünf Fledermausarten des Anhangs II der Habitat-Richtlinie: Kleine Hufeisennase, Mopsfledermaus, Wimperfledermaus, Bechsteinfledermaus, Mausohr - allesamt Anzeigerarten für Naturnähe. Manchen nennen sie daher auch "Urwaldanzeiger". Die Studie wurde vom Bund (BMLUK), Land NÖ und der EU gefördert.
Dieser herausragende ökologische Erhaltungsgrad eines erheblichen Teils der Stiftswälder ist keine Selbstverständlichkeit. Führende Fachleute aus den Bereichen Wissenschaft und Ökologie danken daher dem scheidenden Forstdirektor des Stiftes Altenburg, Herbert Schmid, in einem Schreiben (an die Stiftsleitung) für sein langjähriges, vorbildhaftes Bemühen um eine naturnahe, ökologisch und ökonomisch nachhaltige Waldbewirtschaftung.
Unter den Unterzeichnenden finden sich auch die "Wissenschaftler des Jahres" em.Univ.Prof. Dr.Dr.h.c. Helga Kromp-Kolb und Univ.-Prof. Dr. Franz Essl. Der außergewöhnliche Artenreichtum und der herausragende Naturwert der Stiftswälder, insbesondere im Bereich des Europaschutzgebietes (ESG) im Kamptal, seien der sorgsamen Bewirtschaftung bzw. eingriffsfreien Bewahrung von Altbeständen durch den Forstbetrieb des Stiftes unter Forstdirektor Herbert Schmid zu verdanken, formulieren die Unterzeichnenden des Briefes an das Stift Altenburg. Herbert Schmid habe stets versucht, betriebswirtschaftliche Ziele und die Bewahrung bzw. Förderung der biologischen Vielfalt in den Stiftswäldern zu vereinen.
Dieser Ansatz habe maßgeblich dazu beigetragen, die Wälder in einem so guten Zustand zu bewahren und sie in Richtung eines klimafitten, zunehmend artenreichen Mischwald-Bestandes zu entwickeln. Besonders die Naturwaldbestände auf den Einhängen des Kamptals, die als nicht genutzte ökologischen Referenzflächen gewidmet sind, stellen Hotspots der Artenvielfalt dar.
Als freiwillige Prozessschutzflächen dienen die ökologisch wertvollen Hangwälder im Kamptal auch der Forschung wie etwa der BOKU in Wien und der Czech University for Life Sciences (CZU) - im Rahmen eines internationalen Projektes zur erstmaligen Untersuchung der Auswirkungen der Klimaerhitzung auf "thermophile" (wärmeliebende), natürliche Waldbestände.
Die Unterzeichnenden des Briefes drücken die Hoffnung aus, dass das Stift Altenburg diesen "erfolgreichen und für ganz Österreich als Vorbild dienenden Waldmanagement-Zugang auch nach dem Ausscheiden von Forstdirektor Schmid mit gleicher Intensität weiter verfolgt und die langjährige Erfahrung und Expertise von Herbert Schmid auch nach seinem Ausscheiden in Anspruch nimmt".
Hier könnt ihr den vollen Wortlaut des Briefes lesen.
Auch die Universitäts-Professoren (BOKU) Ph.D. Mario Pesendorfer, Dr. Georg Gratzer und Dr. Helmut Schume würdigen die Leistungen von Herbert Schmid in einem Schreiben (Zitat auszugsweise): "Seit 40 Jahren zeigt Herbert Schmid, der Forstdirektor des Stift Altenburg, dass nachhaltig ökonomische UND ökologische Bewirtschaftung von Wäldern im Waldviertel möglich ist. Die langjährige Zusammenarbeit mit der Wissenschaft, sowohl in der Forsteinrichtung, wie auch in der Erhebung von Biodiversität und den Ökosystemleistungen des Waldes unterstreicht, dass dieser Zugang die Artenvielfalt fördert und somit auch die Resilienz gegenüber dem Klimawandel stärkt, und das unter Wahrung der Wirtschaftlichkeit des Betriebs." (...)
"Das Lebenswerk des scheidenden Forstdirektors Schmid ist ein Musterbeispiel für eine nachhaltige, wissenschaftlich angeleitete Waldbewirtschaftung, die die vielen Aufgaben des Waldes, wie z.B. auch Erholungs- und Schutzfunktionen, sowie die Sicherung der Biodiversität für kommende Generationen garantiert. Um dieses Lebenswerk zu würdigen und langfristig zu sichern, hoffen wir dass die Leitung des Stifts Altenburg weiterhin einen balancierten Zugang zu Waldbewirtschaftung und -schutz verfolgt, um somit die Vorreiterrolle in Zeiten der Klima- und Biodiversitätskrise zu stärken."