Unser Naturerbe im Waldviertel, besonders im Kamp- und Kremstal, verdient eine umfassende Lösung zur Sicherung der einzigartigen Naturwerte.
Auch als Motor für eine ökologisch und ökonomisch nachhaltige Regionalentwicklung.
Die sehr hochwertigen Naturflächen im südlichen und zentralen Waldviertel sind trotz Ausweisung als Europaschutzgebiet derzeit nicht ausreichend gesichert. Dies gilt besonders für die österreichweit bedeutenden Naturwälder im Mittleren Kamptal.
Die niederösterreichische Landesregierung hat im Mai 2024 bekannt gegeben, im Kamptal im Bereich des Dobra und Ottensteiner Stausees vorwiegend auf dem Grundbesitz der (landesnahen) Windhagschen Stipendienstiftung (Forstgut Ottenstein) einen Nationalpark "Kampwald" schaffen zu wollen. Derzeit (2026) sind auch noch weitere, teilweise sehr hochwertigen Flächen im Eigentum der Gutmannschen Forstverwaltung Jaidhof im gleichen Gebiet im Gespräch.
Beim Großteil der Stiftungsflächen, die derzeit in die Planung des Nationalparks unter dem Namen "Kampwald" einbezogen sind, handelt es sich jedoch um bisher intensiv forstlich genutzte Gebiete mit Fichtenpflanzungen, Kahlhiebsflächen und Jungwald, deren naturschutzfachlicher Wert aktuell eher gering ist.
Ist es absurd, ausgerechnet auf diesen naturfernen Flächen einen Nationalpark schaffen zu wollen? Darüber wird (verständlicherweise) viel diskutiert, auch im vor Ort im Waldviertel. Grundsätzlich ist es naheliegend, intakte Natur (Ökosysteme und Arten) dort zu bewahren, wo sie noch weitgehend in einem guten Zustand ist.
Aber: Beispiele zeigen, dass es möglich ist, degradiertes Land wieder zum Leben zu erwecken. Wenn die Schöpfung wieder tun und walten darf.
Auch das forstlich stark veränderte Gebiet um den Dobra Stausee, das nun teilweise als "Naturschutzgebiet Dobratal" einer freien natürlichen Entwicklung überlassen wird, kann sich wieder mit artenreichem Leben füllen. Ausgehend von den (kleinen) noch intakten Buchenmischwald-Restbeständen. Und im Lauf der Zeit.
Wir begrüßen daher die Initiative der NÖ Landesregierung zur Schaffung eines zweiten Nationalparks im Waldviertel: Das ist ein bemerkenswerter und positiver Schritt.
Allerdings würde ein Nationalpark, der sich (wie aktuell geplant) auf die Flächen im Gebiet um den Dobra- und Ottensteiner Stausee beschränkt, viele deutlich wertvollere Flächen - wie die Naturwälder im Mittleren Kamptal - nicht umfassen.
Ein Nationalpark im Waldviertel hat aber sehr wahrscheinlich nur eine Chance auf internationale Anerkennung, wenn die Richtlinien der Weltnaturschutzorganisation IUCN erfüllt und die ökologisch wertvollsten Flächen in der Region miteinbezogen werden.
Diese Naturschätze im Kamp- und im Kremstal stehen zwar als Europaschutzgebiet bereits „theoretisch” unter EU-rechtlichem Schutz. Es gibt jedoch keine detaillierten, genau verorteten Managementpläne. Klar definierte Bewahrungszonen, in denen freie Naturentwicklung stattfinden kann, fehlen im Gebietsmanagement. Zudem gibt es keine ausreichenden Mittel im Landesbudget für eine faire Abgeltung der Grundbesitzenden im Fall von Nichteingriffszonen.
Die Folge: Durch Abholzungen sind in den vergangenen Jahren bereits etliche sehr wertvolle Naturwälder verloren gegangen. Die naturnahen Hangwälder mit ihren alten, knorrigen Bäumen haben einen geringen wirtschaftlichen Wert (meist Altholz, morsche/hohle Bäume usw.), dafür aber einen umso höheren Naturschutzwert. Hier braucht es also dringend eine Lösung, um weitere Lebensraumverluste zu vermeiden.
Wir haben uns daher als "Plattform Nationalpark Kamptal" zusammen getan, um zu einer umfassenden Lösung beizutragen, die alle hochwertigen Flächen und Schutzgüter für zukünftige Generationen sicher bewahrt - und dabei das Waldviertel wirtschaftlich unterstützt.
Dies sollte aus unserer Sicht beinhalten:
Einen Nationalpark „Kamptal“, der die internationalen Kriterien der IUCN erfüllt und der neben den seitens der NÖ Landesregierung vorgesehenen Flächen beim Dobra-Stausee auch alle hochwertigen Naturwälder und andere Wildnisrelikte im Mittleren Kamptal umfasst.
Die Einrichtung eines ergänzenden (Groß-)Schutzgebietes, das die Naturwälder, Trockenrasen, naturnahen Flusslandschaften und Offenlandflächen im unteren Kamptal und im Kremstal, ebenfalls dauerhaft als Prozessschutz- bzw. Managementflächen (im Offenland) sichert.
Die NÖ Landesregierung hat ein klares Ziel: Im Planungsgebiet für den Nationalpark "Kampwald" sollen große, unbesiedelte Flächen für ein einzigartiges "Wiederbelebungsprojekt" mit wildnisnaher Beweidung durch große Pflanzenfresser (wie Wildpferde und Wildrinder) genutzt werden.
Dies könnten in eine Großschutzgebietslösung mit einem Nationalpark im Kamptal integriert und gemeinsam betreut werden. Diese "wilden Weiden" könnten auf dafür geeigneten, degradierten Flächen der Windhagschen Stipendienstiftung für eine raschere Renaturierung und Anreicherung mit Biodiversität sorgen. Die geradezu wundersame ökologische "Verwandlung" des weltweit sehr beachteten Landguts Knepp Castle in Südengland zeigt eindrucksvoll, dass dies machbar ist. Die "ARGE Wildtiere" - ein Zusammenschluss namhafter Biologen - hat zu einem möglichen Beweidungsprojekt auf einer geeigneten Fläche in einem zukünftigen Nationalpark einen wissenschaftlich fundierten Vorschlag ausgearbeitet.
Die Region sollte die zusätzlichen wirtschaftlichen Möglichkeiten zukünftiger Großschutzgebiete im Waldviertel nutzen und dabei auf die Erfordernisse der Natur achten. Wie kann das gelingen? Der neue Nationalpark bietet die Möglichkeit eine Gebietsmarke zu schaffen. Damit kann die Region ihre nachhaltigen Produkte mit einem Prädikat "aus der Nationalparkregion" besser bewerben und vermarkten. Geregelter und auf freigegebene Wege eingegrenzter Naturtourismus (Wandern, Radfahren, Führungen, Bildungsexkursionen, Forschung usw. ) wird zusätzliche Einnahmen für regionale Betriebe schaffen. Eine "Nationalpark"-Marke macht die Region attraktiver und wird es erleichtern, Förderungen und Investitionen in das Waldviertel zu holen.
Damit alle Grundbesitzenden, die sich freiwillig am Projekt beteiligen wollen, auch fair für den Nutzungsentgang abgegolten werden und die Bereitstellung von Ökosystemleistungen für die Allgemeinheit vergütet werden können, müssen ausreichende Finanzmittel aufgebracht werden.
Und: Eine Kombination aus Nationalpark und UNESCO-Biosphärenpark, wie er auch in anderen Teilen des Waldviertels (etwa im Norden) realisiert werden könnte, würde die Naturwerte der Heimatregion sichern und noch mehr positive Impulse für die Regionalentwicklung setzen.





