Waldviertel / Niederösterreich: Kamptalwildnis im Mittleren Kamptal

Neue Allianz für einen Nationalpark im Waldviertler Kamptal präsentiert Studie: Österreichweit bedeutender Naturwaldschatz

Naturschutz-Bündnis begrüßt Nationalpark-Initiative der Landesregierung und bietet Kooperation an 

Im Rahmen eines Pressegesprächs stellt sich heute (3.3.2026) eine neue Plattform für einen Nationalpark im Waldviertler Kamptal der Öffentlichkeit vor. Die Allianz vereint Vertreter:innen von BirdLife, Lanius, Naturschutzbund, GLOBAL 2000, WWF und AG Wildtiere sowie Fachleute aus der Region. Die Plattform begrüßt die von der NÖ Landesregierung eingeleitete Diskussion über einen neuen Nationalpark im Niederösterreichischen Kamptal und will sich konstruktiv einbringen, um in Kooperation mit dem Land NÖ und Stakeholdern einen vollwertigen, international anerkannten Nationalpark im Kamptal zu verwirklichen. Dazu präsentiert die Plattform eine Studie über die ökologisch besonders wertvollen Flächen im Kamptal und Umgebung, als faktenbasierte Grundlage für die Nationalparkplanung.

Die vom Kärntner Institut für Ökologie (E.C.O.) im Auftrag der Plattform erstellte Untersuchung belegt eine österreichweit herausragende Konzentration höchstwertiger, teils urwaldartiger Wälder im mittleren und unteren Kamptal sowie im benachbarten Kremstal. In diesem Gebiet kommt eine einzigartige Dichte an seltenen und streng geschützten Arten vor. Für die Studie wurden erstmals alle verfügbaren ökologischen Daten zur Region zusammengetragen und ausgewertet. 

Die Plattform plädiert daher für die Einbeziehung dieser ökologisch bedeutenden Naturwälder in die Nationalpark-Entwicklung: “Insbesondere die Steilhänge des Mittleren Kamptals zwischen Wegscheid und Rosenburg eignen sich hochgradig für die erforderlichen ‚Naturzonen‘. Gemäß internationalen Kriterien müssen eingriffsfreie Naturzonen mindestens 75 Prozent der Nationalparkfläche einnehmen. Die aktuelle Planung der NÖ Landesregierung beschränkt sich bislang jedoch auf weiter flussaufwärts gelegene Flächen bei den Kamptalstauseen, im Besitz der landesnahen Windhag-Stiftung, sowie Kamptaleinhänge oberhalb von Krumau am Kamp. Daher muss jetzt rasch der Dialog mit den Grundbesitzenden im Mittleren Kamptal über die Chancen des Nationalparkprojekts eingeleitet werden”, appelliert die Plattform in Richtung Landesregierung. 

Österreichweit bedeutende Naturwälder in den Nationalpark einbeziehen

„Großschutzgebiete wie Nationalparke sind wertvolle Beiträge zum Erhalt natürlicher Ökosystem und ihrer Artenvielfalt. Die Region Kamptal hat bedeutende Elemente, die auch aus international Sicht eine Schutzgebietsausweisung nahelegen. Eine Ausweisung in der dicht besiedelten Landschaft Mitteleuropas erfordert jedoch Engagement, guter Kommunikation und präzise Planung,“ betont Studienautor Dr. Hanns Kirchmeir von E.C.O.

„Neue Nationalparks müssen laut Landesgesetz den Kriterien der Weltnaturschutzorganisation IUCN entsprechen. Ausschlaggebend für deren Zertifizierung sind Faktoren wie naturschutzfachliche Wertigkeit oder Gebietsgröße. Um diese IUCN-Anerkennung auch im Kamptal sicherzustellen, sollten alle hochwertigen Naturflächen, vor allem die Naturwälder, mit einbezogen werden”, sagt WWF-Expertin Karin Enzenhofer. Zudem sollten die durch intensive forstliche Nutzung geprägten Flächen im Bereich der Flächen der Windhagschen Stipendienstiftung (Forstgut Ottenstein) mit Renaturierungsmaßnahmen aufgewertet werden. 

Für eine erfolgreiche Renaturierung degradierter Forstflächen schlägt die AG Wildtiere eine wildnisnahe  Beweidung vor, etwa nördlich des Kamp und angrenzend an den Truppenübungsplatz. Laut Bernhard Kohler könnten etwa Wildrinder und Wildpferde eingesetzt werden, um ursprüngliche Ökosysteme wiederherzustellen. “Die großen Weidetiere könnten ein dynamisches Wechselspiel aus Wald und offenen Flächen schaffen, wie es einst prägend für die Waldviertler Landschaft war.”

„Die freiwillige Bereitschaft der Grundbesitzenden ist für die Realisierung eines Nationalparks unumgänglich, ebenso faire Abgeltungen für den Nutzungsentgang. Ein Nationalpark würde nicht nur die Schönheit und die Naturjuwele dieser Landschaften sichern, sondern auch starke Impulse für die regionale Wirtschaftsentwicklung, wie den Tourismus im Waldviertel bringen. Wir hoffen sehr, dass es gelingt, einen Schulterschluss für dieses wichtige Vorhaben zustande zu bringen,“ so Margit Gross vom Naturschutzbund NÖ

„Urwaldartige Wälder sind in Österreich bereits nahezu verschwunden. Dass wir im Bereich des Mittleren Kamptals noch so ökologisch hochwertige und imposante Wälder haben, ist auch den Grundbesitzenden zu verdanken, die diese Wälder bis heute bewahrt haben“, sagt Dominik Linhard, von GLOBAL 2000. “Naturwälder sind auch für uns Menschen von großem Wert. Hinsichtlich essenzieller Ökosystemleistungen wie Wasser- und Kohlenstoffspeicherung, Luftreinigung, Artenschutz oder optimal angepasste Genetik leisten sie mehr als Forste. Wirtschaftlicher Druck führte zuletzt aber zu Flächenverlusten bei uralten Beständen im Mittleren Kamptal. Ein Nationalpark wäre eine große Chance, um sowohl das Naturerbe zu bewahren als auch die Grundbesitzenden für den Erhalt dieser Wälder fair zu entschädigen, wenn sie Flächen freiwillig einbringen.“ 

Positive Effekte für regionale Wirtschaft und Tourismus

„Die Naturwälder im Kamp- und Kremstal sind einfach wunderschön. Dies kann uns stolz machen. Ein Nationalpark ist auch ein Prädikat für die Hochwertigkeit einer Landschaft und bietet eine Marke, die für die regionale Wirtschaft Wertschöpfung bringt. Etwa durch Natur-Wandertourismus oder durch Branding von Produkten aus der Nationalparkregion. Für das Waldviertel wäre der Nationalpark ein neues ‚Narrativ’ und eine Imageaufwertung. Ein Nationalpark bringt Menschen zusammen, die gemeinsam für das Schöne Sorge tragen. Es wäre daher sehr erfreulich, wenn es gelänge, diese wunderbaren Natur-Refugien in einer gemeinsamen Anstrengung zu bewahren,“ erklärt Matthias Schickhofer, Waldviertler Fotograf / Publizist und Koordinator der Plattform Nationalpark Kamptal

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Willkommen im Kamptal

Willkommen im wunderbaren, wilden Waldviertel!

Hier wollen wir euch vermitteln, wie es in der Kamptalwildnis und in anderen ursprünglichen Winkeln des Waldviertels aussieht und erläutern, warum dieses einzigartige Naturerbe unserer Heimat höchstwertigen Schutz verdient …

Wir sind ein Zusammenschluss von Menschen aus dem Waldviertel (und darüber hinaus), aus der Wissenschaft oder aus dem Bereich der Naturschutzorganisationen, denen die Bewahrung des Naturerbes und der natürlichen Vielfalt des Waldviertels ein großes Anliegen ist.

Daher haben wir diese Website ins Leben gerufen, viele Infos für euch zusammen gestellt und setzen wir uns im Austausch mit den relevanten Entscheidungsträgern für zukunftstaugliche, langfristige Lösungen für Natur und Menschen ein.

Die Initiative der NÖ Landesregierung, im Waldviertel einen zweiten Nationalpark zu schaffen, bewerten wir als einen positiven Schritt mit einem großen Potential.

Der geplante Nationalpark muss gemäß dem Naturschutzrecht in Niederösterreich die Kriterien der Weltnaturschutzorganisation IUCN erfüllen. Die IUCN-Kriterien beinhalten (u.a.):

  • Ein Nationalpark sollte ein Schutzgebiet sein, das „große natürliche oder naturnah gebliebene Gebiete (…) zum Schutz großräumiger ökologischer Prozesse sowie der für das Gebiet charakteristischen Arten und Ökosysteme“ aufweist. Nationalparke sind „in der Regel groß und bewahren ein funktionierendes Ökosystem“.
  • Das Gebiet sollte weiters repräsentative Beispiele beinhalten, für wichtige „Naturregionen sowie biologische und ökologische Merkmale oder Landschaften, in denen einheimische Pflanzen- und Tierarten, Lebensräume und geodiverse Standorte von besonderer spiritueller, wissenschaftlicher, pädagogischer, erholungsbezogener oder touristischer Bedeutung sind.“
  • Das Gebiet sollte eine „ausreichende Größe und ökologische Qualität aufweisen um ökologische Funktionen und Prozesse aufrechtzuerhalten, die es den einheimischen Arten und Gemeinschaften ermöglichen, langfristig mit minimalen Eingriffen zu bestehen“. Die „Zusammensetzung, Struktur und Funktion der biologischen Vielfalt sollten sich weitgehend in einem ’natürlichen‘ Zustand befinden oder das Potenzial haben, in einen solchen Zustand zurückversetzt zu werden, wobei das Risiko einer erfolgreichen Invasion durch nicht heimische Arten relativ gering sein sollte“.

In Österreich ist es üblich, Nationalparks jeweils zur Hälfte durch Mittel des Bundes und des jeweiligen Bundeslandes zu finanzieren. Das Umweltministerium (als Teil des Bundes) bindet seinen Finanzierungsbeitrag von 50 % jedoch an ein positives Gutachten der IUCN hinsichtlich der Einhaltung der internationalen Richtlinien. 

Das derzeit in den Planungen der NÖ Landesregierung für einen „Nationalpark Kampwald“ vorgesehene Gebiet im Umfeld der Dobra- und Ottensteiner Stauseen besteht vorwiegend aus bisher intensiv genutzten Forstflächen der landesnahen Windhagschen Stipendienstiftung bzw. des Forstguts Ottenstein. Es bestehen daher fachliche Zweifel, ob diese Flächen den IUCN-Kriterien ausreichend entsprechen. Somit besteht das Risiko, dass der geplante Nationalpark in dieser Form die IUCN-Prüfung nicht besteht und der Nationalpark möglicherweise nicht realisiert werden kann. 

Es ist jedoch fachlich unumstritten, dass das Mittlere Kamptal zwischen Wegscheid/Kamp und Rosenburg mit seinen urwaldartigen Wäldern zu den wertvollsten Naturlandschaften im außeralpinen Österreich zählt und daher als hochgradig „nationalparkwürdig“ zu bewerten ist. Wir setzen uns daher dafür ein, dass das Waldviertel mit einem neuen Nationalpark aufgewertet wird – und dass dieser auch die Naturwälder, Trockenrasen, Felsfluren und die ursprünglichen Gewässer im Bereich des Mittleren Kamptals umfasst.
Ein vollwertiger, international anerkannter Nationalpark würde dem Waldviertel auch wirtschaftlich viele Vorteile und Möglichkeiten verschaffen.